Schärfeverlauf


Um in einem Bild bestimmte Details zu betonen kann man gezielte (Un)schärfe einsetzen. Dabei handelt es sich um ein bewusst gewähltes Gestaltungsmittel, das leider oft unterschätzt wird.
Es gibt Situationen, da möchte man vom Vordergrund bis zum Horizont das gesamte Bild scharf haben. Ein Beispiel dafür wäre eine Landschaftsaufnahme in der vom kleinen Dorf im Tal bis zum Bergmassiv am Horizont alles scharf und erkennbar sein soll.

Andere Situationen werden üblicherweise mit einer beschränkten Schärfentiefe in Verbindung gebracht. Beispiel hier das klassische Portrait. Während der Kopf der abgebildeten Person (im Optimalfall Mund und Augen) scharf sind soll der Hintergrund in einer leichten Unschärfe „verschwinden“. Dadurch wirkt der Hintergrund weicher und weniger störend. Der Betrachter konzentriert sich ganz automatisch auf das eigentliche Subjekt des Bildes.

Allerdings geht die Verwendung der Schärfe über diese beiden „Standardbeispiele“ weit hinaus: Der bewusste Einsatz der Bildschärfe kann auch dazu dienen den Betrachter gezielt „durch das Bild zu lenken“ und damit die Art und Weise steuern, wie der Betrachter unsere Bilder wahrnimmt.

Bei diesem Beispielbild meiner Tochter habe ich mit Absicht den scharfen Bildbereich auf den Kopf begrenzt. Dadurch wird der Blick des Betrachters als erstes auf den scharfen Bereich gelenkt (den Kopf), folgt dann dem Blick der abgebildeten Person und endet schliesslich bei der Ente. Der Betrachter folgt also quasi dem Blick der Person auf dem Bild. Um den Zusammenhalt zwischen Person und Ente noch zu betonen ist hier ein sehr enger Beschnitt des Bildes gewählt worden der den Bildinhalt nur auf die wesentlichen Bestandteile beschränkt: Person, Ente und der freie Raum zwischen Beiden.
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