Erfahrungsbericht Quickmaster von EMO Wetzlar


Vor einiger Zeit wurden bei Ebay eine ganze Reihe Kugelköpfe des Typs "Quickmaster" und "Quattro Axial" der Firma EMO Wetzlar versteigert. Leider scheint die Firma in der ursprünglichen Form nicht mehr zu existieren. Auch bei Eingabe der zugehörigen Internetadresse "http://www.emo-wetzlar.de" im Browser ist nur noch eine Fehlermeldung "Seite nicht gefunden" zu lesen.
Kurz gesagt: Es war keine Beschreibung oder Anleitung dieser Köpfe im Internet zu finden.

Deshalb habe ich selber einen Erfahrungsbericht und eine kurze Anleitung geschrieben die ich hiermit in's Netz stelle.
Bei Ebay habe ich eine schwarze Version des Kugelkopfes gesehen, die unter dem Namen "Quickmaster Limited Edition" angeboten wurde. Ebenfalls war dort mehrfach ein silberner, ähnlich aussehender Kugelkopf namens "Quattro Axial" von EMO Wetzlar zu finden. Ob diese beiden Kugelköpfe baulich oder in der Funktion gleich sind, kann ich nicht beurteilen. Zumindest sieht der "Quattro Axial" auf den bei Ebay gefundenen Fotos dem Quickmaster sehr ähnlich.
Weitere Informationen (z.B. per Kommentarfunktion am Ende des Artikels) werden dankbar angenommen!

Aber kommen wir zum Quickmaster.
Ich habe meinen (einen der schwarzen "Limited Edition") Ende 2008 bei Ebay ersteigert.
In der Auktion standen die folgenden Angaben:

Limited Edition EMO-Kugelkopf "Quick-Master"
Neu, OVP, NP 156,-- €
Besonderheit: Alle Achsen fest mit einer Hebeldrehung!
Limitierte Auflage
Präzise und Robust gefertigt (ALU)
Friktion durch besondere Kugelbremse
Schnellwechsel des Kamera- und Stativgewindes 1/4" + 3/8"
Gewicht ca. 390g

Auf Nachfrage teilte mir der Verkäufer mit, der Kopf wäre vom Hersteller für ein Gewicht bis ca. 2 kg vorgesehen.

Optisch macht der Kopf einen eher zierlichen und schlanken Eindruck. Der Eindruck wird noch verstärkt durch die verhältnismässig dicke Schnellkupplung am oberen Ende des Kopfes. Sobald man ihn in die Hand nimmt merkt man aber seine solide Verarbeitung und das Gewicht dieses "kleinen Riesen".

Weitere Daten:
Höhe: 11,5 cm
Durchmesser (Bodenplatte): 4,2 cm
Kugeldurchmesser (circa): 2,5 cm

Befestigung am Stativ:
Das Befestigungssystem des Kopfes am Gewinde des Stativs wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Seitlich ist an der Basis des Kopfes eine seltsame Schraube mit einem verchromten "Stöpsel" zu sehen. Und das Stativgewinde sitzt in einer geschlitzten silbernen Hülse unten im schwarzen Kugelkopf.


Um den Kopf auf dem Stativ zu befestigen schlage ich folgendes Vorgehen vor:
  • Vorsichtig am verchromten "Stöpsel" in der Schraube seitlich am Kugelkopf ziehen. Er kann ein Stück herausgezogen und dann in eine der Aussparungen der Schraube gekippt werden. Er dient damit als Hebel mit dem sich die Schraube leichter lösen und festziehen lässt.

  • Dann die Schraube so weit lösen, dass die Hülse mit dem Stativgewinde unten aus dem Kopf fällt. Ggf. vorsichtig schütteln.
  • Die Hülse hat zwei unterschiedlich starke Gewindedurchmesser. Somit sind beide der bei Stativen üblichen Gewindegrößen nutzbar. Je nachdem mit welcher Seite man die Hülse auf die Schraube des Stativs dreht.
  • Wenn die Hülse mit der passenden Seite nach unten auf die Schraube des Stativs gedreht wurde kann man den Kopf wieder auf die Hülse setzen. Die Hülse hat eine Nut, so dass der Kopf nur in einer bestimmten Stellung auf die Hülse passt.

  • Jetzt den Kopf mit der Schraube an der Hülse festziehen. Dabei greift die Schraube in eine Vertiefung seitlich in der Hülse, so dass der Kopf nicht herunterrutschen kann. Die Hülse ist ausserdem geschlitzt, so dass sie beim Festziehen der Schraube zusammengepresst wird und dadurch sehr fest auf dem Gewinde des Stativs sitzen sollte.
  • Ist die Schraube ordentlich festgezogen, kann der silberne Hebel wieder hochgeklappt und in die Schraube geschoben werden. Somit bleibt man nicht daran hängen.
Der Kopf sollte jetzt fest mit dem Stativ verbunden sein.

Befestigung an der Kamera:
Am oberen Ende des Kopfes befindet sich das Schnellwechselsystem. Es besteht aus einer Klemme am Stativkopf und einer runden Platte mit einer Art Schiene die unter die Kamera geschraubt wird.
  • Zuerst muss die Klemme gelöst werden. Dazu am oberen Ende des Stativkopfes den breiten Ring nach rechts drehen (siehe Markierungspfeile).
  • Jetzt kann man die Platte seitlich vom Kopf herunterschieben. Das geht nur in einer Richtung da der Kopf einen Pin hat, der ein versehentliches Durchrutschen der Kameraplatte verhindert.

  • Die Kunststoffabdeckung auf der Kameraplatte kann heruntergenommen werden. Ich habe sie aufgesetzt gelassen, da der Kunststoff hoffentlich den Boden meiner Kamera weniger zerkratzt als die metallene Kameraplatte.
  • Auch die Kameraplatte hat wieder zwei Gewindedurchmesser zur Auswahl. Dazu kann der silberfarbene Stöpsel mit dem Gewinde nach unten aus der Kameraplatte gedrückt werden. Er ist dort mit einem O-Ring eingeklemmt. Der zweite Stöpsel mit dem anderen Gewinde sitzt innen im Schnellwechselsystem. Er kann dort mit einem flachen Gegenstand (Schraubendreher, Messer) vorsichtig herausgeholt und gegen den Stöpsel an der Kameraplatte ausgetauscht werden.

  • Nachdem nun das richtige Gewinde in der Kameraplatte steckt einfach die Kameraplatte fest unter die Kamera schrauben.
  • Evtl. die Kameraplatte noch einmal lösen und die Position des Gewindestöpsels in der Kameraplatte mit einer Münze etwas verdrehen, damit nach dem Festschrauben der Kameraplatte die Schiene der Platte möglichst gerade von vorne nach hinten verläuft. Es ist meiner Erfahrung nach schwieriger die Kamera auf den Kopf zu schieben, wenn die Schiene schief unter der Kamera sitzt.
  • Nun kann die Kamera mit der Schiene bis zum Anschlag auf den Kopf geschoben werden. Danach die Klemme links herum festziehen.
Die Kamera ist jetzt mit dem Kopf verbunden und sollte nicht herausrutschen. (Kontrollieren!)

Bedienung:
Der Kopf hat an der Seite einen Hebel mit dem sowohl die drehbare Bodenplatte als auch die Kugel gelöst werden kann. Der Hebel hat allerdings eine Besonderheit: Er benötigt nur eine Vierteldrehung von "Fest" bis "Lose". Dreht man den Hebel weiter (mit Kraft über die "Feste" Position hinaus), dann wird der Kopf wieder lose.
Der Hebel ist auf seiner Achse federnd aufgesetzt. Man kann den Hebel vorsichtig vom Stativkopf wegziehen und in die Runde drehen. Auf diese Weise kann man ihn in einer für den Benutzer praktischen Position "einrasten".

Ich habe meinen Hebel so eingestellt, dass er senkrecht nach oben zeigt wenn die Kopf lose ist. Und das aus folgendem Grund:
Der Kopf hat keine Friktionseinstellung. Er ist aber sehr feinfühlig mit dem Hebel "bremsbar". Es reicht schon das Eigengewicht des schräg stehenden Hebels aus um die Kugel merklich zu bremsen. Da der Hebel bei loser Kugel senkrecht nach oben steht, muss man ihn bewusst in dieser Position halten um die Kamera ohne Reibung zu drehen/kippen. Sobald man aber den Hebel zu einer Seite kippen lässt, beginnt die Kugel sofort zu bremsen. Und bei waagerecht stehendem Hebel sitzt die Kamera "bombenfest". Auf diese Weise ist die Chance eines versehentlichen Abkippens der Kamera geringer.

Stabilität:
Für eine Canon EOS 40D mit aufgesetztem EF 70-300mm 4,0-5,6 IS USM ist der Kopf (mit Drahtauslöser) noch OK. Er sackt auch in der 300mm-Stellung nicht nach wenn er ordentlich festgestellt wurde.
Allerdings ist der Kopf damit meiner Meinung nach an seiner Grenze und Erschütterungen sind im Objektiv bei 300mm als Zittern sichtbar. Ob das am Gewicht der Kamera-Objektiv-Kombination lag oder eher an der Länge des Objektives und dem damit verbundenen langen Hebelarm kann ich nicht genau sagen.
Kleine und mittelgroße DSLRs (Canon 400D, 40D) waren bei mir kein Problem solange man nicht zu schwere/lange Objektive verwendet.
Kleinere Kameras (Bridgekameras und Kompaktkameras) sollten kein Problem für den Kopf sein.

Fazit:
Die folgenden Punkte sind meine ganz persönliche Meinung.
Andere Personen können das ganz anders sehen.
Positiv
  • Feinfühlige Bedienung.
  • Keinerlei Verziehen des Kopfes beim Festklemmen.
  • (Auch bei leichter Bremsung per Hebel) butterweich gleitende Kugel. Der Kopf hat bei mir noch nie gehakt.
  • Kugel ohne Schmiermittel. Man verschmiert sich nicht die Geräte. Und Sand/Staub haftet auch nicht so leicht.
  • Gut durchdachte Detaillösungen, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick verständlich.
Neutral
  • Friktion nicht einzeln einstellbar (für mich kein Problem, da manuell sehr dosiert "bremsbar")
Negativ
  • Schnellwechselsystem etwas fummelig. Man muss im richtigen Winkel treffen um die Kamera einzuschieben.
  • Nutzung der Bodenplatte für Panoramazwecke ungeeignet, da nicht getrennt von der Kugel feststell- und lösbar.

Schlussworte:
Sollte jemand weitere/bessere/richtigere Informationen haben: Bitte an mich senden, ich trage sie dann nach bzw. korrigiere meinen Bericht.
Alle Angaben sind von mir nachgemessen bzw. ausprobiert worden und gelten für mein Exemplar des Kugelkopfes. Ich gebe keine Garantie, dass die von mir hier geschilderten Erfahrungen auch für andere Personen bzw. andere Exemplare des Kugelkopfes gelten.

Alle Bilder zum Kugelkopf können in einer Galerie in grösserer Auflösung angeschaut werden.
blog comments powered by Disqus