Nahaufnahmen ohne Makro-Objektiv


Für Nahaufnahmen benötigt man nicht zwangsweise ein Makro-Objektiv.
Es gibt mehrere Alternativen mit denen man auch dicht an das Motiv herankommen kann ohne viel Geld für ein teures Spezialobjektiv auszugeben, das man nur selten benötigt...
Doch der Reihe nach:

Was ist eigentlich ein „Makro“?
Von einer Makro-Aufnahme spricht man genau genommen nur, wenn das Motiv mindestens im Maßstab 1:1 auf dem Aufnahmemedium abgebildet wird. Also auf dem Film oder dem Sensor. Das bedeutet: Eine Fliege die in der Natur 1 cm groß ist wird vom Objektiv mindestens mit einer Größe von 1 cm auf das Aufnahmemedium projiziert.
Dabei spielt die Größe des Sensors (bzw. des Films) keine Rolle. Auch die Größe der Abbildung auf dem fertigen Foto sagt nichts darüber aus, ob es sich um eine Makro-Aufnahme handelt.
Bei allen anderen Aufnahmen müsste man genau genommen von einer Nahaufnahme sprechen.

Und wie mache ich das nun?
Um ein Motiv möglichst dicht „vor die Linse“ zu bekommen benötigt man generell ein Objektiv mit einer möglichst kurzen Naheinstellgrenze. Das ist die dichteste Entfernung, bei der man das Objektiv noch scharf stellen kann.
Um das zu erreichen gibt es verschiedene Möglichkeiten (vom Kauf eines Makro-Objektives abgesehen).

Zum einen gibt es so genannte „Retro-Adapter“ die man von verschiedenen Anbieter von simpel bis teuer kaufen kann. Diese Adapter sind in der günstigsten Version einfach ein Adapter-Ring um das Objektiv verkehrt herum (mit der Frontlinse zur Kamera) an die Kamera anzuschliessen. Dadurch wird das Objektiv zu einem „Vergrösserungsobjektiv“. Nachteile: Bei schweren Objektiven traue ich der Sache nicht wirklich, da das Filtergewinde vorne am Objektiv sicherlich nicht dafür ausgelegt wurde das Gewicht des Objektives zu tragen. Ausserdem ist dann die Steuerung des Objektives durch die Kamera nicht mehr möglich, da die Anschlüsse des Objektives ja nun auf der „falschen Seite“ sind und nach vorne von der Kamera weg zeigen.
Bei der teueren Variante (gibt es zumindest für Canon-Objektive von Novoflex) werden die elektischen Kontakte vom Retro-Adapter mit einem Spiralkabel an einen zweiten Ring übertragen den man an die Anschlüsse des umgekehrt montierten Objektives setzt. Dadurch ist die Kamera wieder in der Lage das Objektiv zu steuern. Nachteil dieser Lösung: So ein Adapter kostet so viel, dass man sich auch gleich ein richtiges Makro-Objektiv kaufen kann...

Eine andere, viel einfachere Lösung ist, die Naheinstellgrenze des Objektives künstlich herabzusetzen. Dazu muss das Objektiv ein Stück von der Kamera entfernt werden. Hierfür bieten sich so genannte Zwischenringe an, die zwischen Kamera und Objektiv gesetzt werden. Diese Ringe gibt es in verschiedenen Längen. Für das oben gezeigte Foto habe ich den kürzesten Ring (12 mm) von Canon verwendet. Vorteil: Bei den besseren Ringen werden die elektrischen Kontakte von Kamera und Objektiv verbunden, so dass eine normale Belichtungssteuerung mit der Kamera möglich ist. Ausserdem kosten diese Ringe unter 100 Euro und sind somit wesentlich günstiger als spezielle Makro-Objektive.

Aber auch bei den Zwischenringen gibt es ein paar Punkte zu beachten:
Man sollte nicht gerade ein Weitwinkel-Objektiv verwenden. Wenn man ein Objektiv mit kurzer Brennweite benutzt und das Objektiv zudem noch relativ lang gebaut ist, dann kann es passieren dass der einstellbare Schärfebereich so dicht an das Objektiv herangeschoben wird, dass er „in das Objektiv hinein“ wandert. Sprich: Bei dem kleinsten Zwischenring von 12 mm war es mir nicht möglich an einer Canon 40D und dem „EF 17-40 mm 4.0 L“ in allen Brennweiten scharf zu stellen. Keine Probleme hatte ich z.B. mit dem „EF 50 mm“.
Verwender von Kameras mit sog. Crop-Sensoren sollten ausserdem darauf achten, dass der Adapter auch für den Anschluss ihrer für den Crop-Sensor berechneten Objektive vorgesehen ist. Bei Canon gibt es eine alte und eine Neue Baureihe von Zwischenringen. Die alte Baureihe akzeptiert aber keine „EF-S“-Objektive.

Ergänzung 09.04.2009
Achtung: Genau wie die Naheinstellgrenze verschiebt sich auch die „Unendlich-Stellung“ des Objektives bei eingesetztem Zwischenringes. Sprich: Bei Verwendung eines Zwischenringes ist es nicht mehr möglich das Objektiv auf Unendlich scharf zu stellen.

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