Von unrealistischen Vorstellungen und Geiz-ist-Geil Mentalität


Seit die Fotografie vom analogen in das digitale Zeitalter übergegangen ist kann man verstärkt eine Einstellung bei (Hobby-)Fotografen erleben, die man bisher nur von Computer-Heimanwendern gewohnt war.
Die Rede ist von einer inkonsequenten „Geiz-ist-Geil“- und „es darf nichts kosten“-Mentalität. Speziell wenn es um Software geht.
Auf der einen Seite die Kamera-Ausrüstung…

Da wird blind den kernigen Marketing-Sprüchen großer Elektromarkt-Ketten geglaubt die einem weismachen wollen, dass mit grösseren Zahlen auf einem Prospekt auch zwangsweise eine bessere Leistung einhergeht. Dass das technisch nicht stimmt kann man z.B. hier nachlesen: http://6mpixel.org.

Und wenn dann die Kamera nicht (voll)automatisch bessere Bilder liefert, dann wird zuerst nach einer teureren Kamera geschaut. Denn die wird dann ja wohl „noch bessere Bilder“ machen. Über diesen Trugschluss habe ich ja bereits hier etwas geschrieben.

Dabei ist vor allem das Auge des Fotografen wichtig für das Ergebnis. Als Beispiel mögen die beiden Bilder in diesem Blogeintrag dienen, die von meiner Schwester mit einer Kompaktkamera für unter 200,- Euro aufgenommen wurden.



Sind die meisten Hobbyfotografen noch bereit eine (oftmals unnötig) teure Kamera zu kaufen nimmt bereits beim Objektivkauf die Bereitschaft in etwas Gutes zu investieren deutlich ab. Muss die Kamera noch das neueste und beste Modell sein, so wird für das Objektiv oftmals schon nach günstigen Alternativen von Drittanbietern oder sogenannten „Superzooms“ geschielt.

… auf der anderen Seite das restliche System:

Da wird auf die zum Objektiv passende Streulichtblende verzichtet, denn 30,- Euro ist ja viel zu teuer. Passende Themen der Sparfüchse in den Internet-Foren: „Meine Bilder sind immer so flau und kontrastarm“ oder „Wie vermeide ich diese Sonnenflecken (lens flares) auf meinen Bildern?“

Die Speicherkarte wird auf dem Grabbeltisch gekauft. Schaut mal, wie toll: 8 Gigabytes für nur 4,95. Ein Jahr später sehen wir uns im Forum wieder. Thema „Fotos retten“ und „defekte Speicherkarte mit ganz wichtigen Aufnahmen“.

Und vollends auf den Kopf gestellt wird die Situation sobald es um die benötigte Software zur Bildbearbeitung oder -verwaltung geht:

Da wird sich offen darüber beschwert, dass eine gute Software zur Bildverwaltung und -optimierung (z.B. Aperture oder Lightroom) 200 bis 300 Euro kostet.

Jeder möchte gerne das Flaggschiff der digitalen Bildbearbeitung verwenden: Photoshop. Aber sogar die abgespeckte (für Fotografen zumeist mehr als ausreichende) Version „Photoshop Elements“ wird mit ihren ca. 90 Euro Kaufpreis noch als zu teuer angesehen.

Da wird Seitenlang darüber diskutiert welche kostenlosen Möglichkeiten es gibt um seine RAW-Aufnahmen am Computer zu entwickeln und zu bearbeiten. Und das, obwohl die meisten Hersteller ihren Kameras entsprechende Software beilegen. Aber man möchte ja etwas besseres haben – nur kosten darf es nichts.

Als die Fotografie noch analog war hat sich doch auch niemand darüber aufgeregt, dass das Entwickeln von Negativen Geld kostet. Sei es in Form der üblichen 2-3 Euro Entwicklungsgebühr für den Film im Drogeriemarkt oder die Kosten für die Chemikalien in der eigenen Dunkelkammer. Wenn man die Menge der digitalen Fotos auf der Festplatte durch 36 teilt und das Ergebnis mit 2,50 Euro multipliziert, dann bekommt man als Ergebnis die Kosten die alleine die Entwicklung der Bilder verursacht hätte. Da sind 90,- Euro für eine vernünftige Software plötzlich gar nicht mehr so viel.

Und wenn man seine Negative ordentlich (sprich: Nicht wahllos in einem Schuhkarton) aufbewahren wollte, musste man doch auch Geld für die Archivordner und die Negativhüllen ausgeben. Ganz zu schweigen vom Verwaltungsaufwand um ein bestimmtes Negativ nach mehreren Jahren wieder zu finden.

Wie passt das alles mit der Bereitschaft zusammen so viel Geld in eine Kamera zu investieren? Geht es im Endeffekt gar nicht um gute Fotos?
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