Warum "verändert" Lightroom die Bilder beim Import?


Immer wieder taucht die Frage auf warum Lightroom (kurz LR) beim Import die Bilder "anpasst" bzw. "korrigiert". Die Antwort ist eigentlich simpel: LR verändert die Bilder überhaupt nicht. Es gibt nämlich noch gar kein (fertiges) Bild.

Deshalb müsste die Frage eigentlich heissen: Was ist eigentlich eine RAW-Datei Und wie geht LR damit um?

Im folgenden Text werde ich versuchen das verständlich zu erklären...

Das Phänomen ist simpel und erstaunlich

Beim Import von Bildern (genauer: RAW-Dateien) in Lightroom bekommt man das Bild relativ schnell in der Bibliotheksansicht angezeigt. Doch dann passiert es: Das angezeigte Vorschau-Bild verändert sich offensichtlich. Das Bild wird plötzlich blasser und weniger kontrastreich. Woran liegt das? Warum verändert LR meine Bilder? Das sind die Fragen die einem als erstes in den Kopf kommen.

Doch in Wirklichkeit ist es, wie so oft, ganz anders. Aber um das zu erklären muss ich erst ein wenig ausholen und mit etwas (möglichst kurz gehaltener) Theorie beginnen:


Wie ist eine RAW-Datei aufgebaut?

Die Rohdaten eines Sensors können nicht ohne weiteres als Bild angezeigt oder ausgedruckt werden. Sie müssen erst diverse Schritte durchlaufen um in ein verwendbares Bild umgewandelt zu werden.
Dazu gehören unter anderem:

  • Zusammenrechnung der einzelnen Sensorpunkte (die immer nur jeweils die Helligkeit einer der drei Grundfarben Rot/Grün/Blau repräsentieren) zu Pixeln die aus allen drei Grundfarben bestehen (Stichwort Bayer-Pattern).
  • Gewichtung der einzelnen Farbanteile (Rot/Grün/Blau) um eine korrekten Weissabgleich zu bekommen.
  • Anwendung einer Gradationskurve um die Dynamik im Bild den menschlichen Sehgewohnheiten anzupassen.
  • Anpassung von Helligkeit/Kontrast/Farbsättigung.
  • Schärfung des leicht unscharfen Bildes (eine Folge des des Anti-Aliasing Filters vor dem Sensor).


Wie arbeitet die Kamera?

Um die Bilder nach der Aufnahme auf dem Display anzeigen zu können wird für jedes Bild (auch RAW-Dateien) von der Kamera ein verkleinertes Vorschaubild erzeugt. Dazu werden alle oben aufgezählten Punkte von der Kamera durchgeführt. Dieses Vorschaubild wird dann in die RAW-Datei geschrieben - zusammen mit den EXIF-Daten und den eigentlichen Sensor-Rohdaten. Welche Einstellungen die Kamera bei der Umwandlung genau wählt ist dabei ein Betriebsgeheimnis des jeweiligen Kameraherstellers.

Dieses Vorschaubild bekommt der Fotograf zu sehen wenn er die Bilder hinterher auf dem Kameramonitor ansieht. Und auf dieses Bild bezieht sich auch das auf der Kamera angezeigte Histogramm und die Überbelichtungswarnung im Bild.



Und was macht LR jetzt beim Import der RAW-Bilder?

LR liest die RAW-Dateien ein. Um dem Benutzer dabei möglichst schnell die Bilder im Bibliotheksmodul anzeigen zu können wird zuerst das in der RAW-Datei eingebettete Vorschaubild dargestellt. Dann beginnt LR damit, die Rohdaten in den Bildern umzuwandeln und daraus selber Vorschaubilder zu erstellen. Dabei werden die Voreinstellungen im Entwicklungsmodul von LR verwendet. Dadurch entspricht die Vorschau dem, was der Benutzer später auch im Bereich "Entwickeln" in LR angezeigt bekommt.

Dieses Bild muss zwangsläufig von der ursprünglichen Vorschau abweichen, da LR ja nicht wissen kann was die Kamera mit den Rohdaten "angestellt hat" um die ursprüngliche Vorschau zu erzeugen.

Somit handelt es sich nicht um eine Veränderung oder Anpassung des Bildes. Denn beim Import der RAW-Datei existiert ja noch gar kein Bild in voller Auflösung sondern nur die verkleinerte Vorschau der Kamera.


Verwirrend?

Das oben geschilderte Vorgehen trifft im Prinzip auf jeden RAW-Entwicker zu. Nur werden bei anderen Programmen (wie z.B. Aperture) die Bilder erst angezeigt wenn das Programm bereits die eigene Vorschau errechnet hat. Somit entfällt dort das für den Benutzer sichtbare "Umschalten" vom Kamera-Vorschaubild auf das vom Programm berechnete. Dadurch wird der Benutzer zwar nicht so verwirrt wie bei LR aber dafür dauert es unter Umständen eine ganze Weile länger bis der Benutzer die Bilder zu sehen bekommt. Beide Methoden haben also ihre Vor- und Nachteile.

Eine Ausnahme bilden hier lediglich die vom Kamerahersteller mitgelieferten RAW-Enwickler. Da hier die Programmierer der Software die Interna der Kamera kennen ist es möglich, dass der RAW-Entwickler die Grundeinstellungen aus der Kamera übernimmt. Somit entspricht die Grundeinstellung des RAW-Entwicklers dort immer dem Vorschaubild aus der Kamera. Das ist z.B. bei "Digital Photo Professional" (kurz DPP) von Canon der Fall.



Und wie in LR damit umgehen?

Damit die Grundeinstellung in LR ein Bild erzeugt das der Vorschau der Kamera möglichst ähnlich ist muss man die Einstellungen in LR entsprechend anpassen und diese als Standard abspeichern. Wie das geht habe ich in diesem Blogeintrag am Beispiel einer Canon 40D beschrieben: RAW ganz einfach

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