Von Ordnern, Sammlungen, TAGs und Datenbanken

Gedanken zur Verwaltung von Bildern

Als Benutzer moderner Bildbearbeitungs- und Verwaltungssoftware wird man mit einer Vielzahl von Verwaltungsmöglichkeiten konfrontiert. Schaut man in ein Programm wie Aperture, Bibble oder Lightroom (=LR), dann gibt es da viele verschiedene Möglichkeiten seine Bilder einzusortieren, aufzuteilen und zu verwalten.

Doch wozu sind alle diese verschiedenen Möglichkeiten da?

Der vorgesehene Anwendungszweck

Zuerst eine Beschreibung wozu die einzelnen Funktionen eingesetzt werden können und wie sie sich unterscheiden.

Verzeichnisse im Dateisystem

Darin werden die vorhandenen Bilddateien auf der Festplatte abgelegt. Sie sind (wie der Name bereits sagt) auf der Festplatte üblicherweise als Verzeichnis-Struktur vorhanden. Werden Bildverwaltungsprogramme wie LR verwendet, dann müssen diese Verzeichnisse üblicherweise in die Software importiert werden, damit das Programm von ihrer Existenz weiss und die darin enthaltenen Bilder katalogisieren und fortan verwalten kann.

Übliche Verzeichnis-Strukturen sind z.B.

Jahr
- Monat
- - Tag
- - - Bild01
- - - Bild02
...

Virtuelle Ordner
Oft auch "Sammlungen", "Alben", "Projekte" oder "Ereignisse" genannt.

Solche "Alben" sind nicht als Verzeichnis auf der Festplatte Ihres Computers vorhanden. Sie existieren nur innerhalb der Verwaltunggssoftware, sind also "virtuell" (nicht real). Sie haben den Zweck Bilder die in verschiedenen Verzeichnissen auf der Festplatte liegen für einen bestimmten Zweck zusammenzufassen oder aufzuteilen. So ein Album ist also nur so etwas wie eine Liste die angibt welche Bilder in diesem Album "vorhanden sein sollen" wenn man es öffnet um hinein zu schauen. Löscht man so ein Album, dann wird einfach nur die Liste weggeworfen. die Bilddateien selber bleiben die ganze Zeit an ihrem Platz: In ihrem Verzeichnis auf der Festplatte.

Solche Alben kann man für viele Zwecke verwenden: Man kann darin z.b. alle Bilder eines Urlaubes zusammenfassen. Das kann nützlich sein wenn man die Bilder pro Tag in einem eigenen Verzeichnis auf der Festplatte abgelegt hat und jetzt alle Bilder des zweiwöchigen Urlaubes auf einmal ansehen möchte. Oder man fasst alle Bilder von mehreren Betriebsfeiern zusammen oder auch alle besonders gelungenen Bilder die man "zum Vorzeigen" immer an einer Stelle parat haben möchte.

Auch das Gegenteil ist denkbar: Wenn man an einem einzigen Tag Fotos auf mehreren Veranstaltungen gemacht hat, dann kann man für jede Veranstaltung ein Album anlegen und die entsprechenden Bilder diesem Album zuordnen. So bekommt man immer nur die Bilder einer Veranstaltung auf einmal zu sehen und nicht alle Bilder des kompletten Verzeichnisses auf der Festplatte.

Sollte man ein Album nicht mehr benötigen, so kann man es einfach wieder löschen. Da die Bilder nicht "wirklich" darin liegen bleiben die Bilder auf der Festplatte erhalten.

Das Besondere an solchen Alben ist, dass man ein Bild in beliebig viele dieser Alben auf einmal einsortieren kann.

Stichworte
Im Englischen auch "tags" genannt (tag = Etikett)

Stichworte dokumentieren den Inhalt des Bildes. Jedes Bild kann aus verschiedenen Blickrichtung kategorisiert werden. Denkbar sind z.B. formale Beschreibungen des Bildes wie seine Ausrichtung ("Horizontal" und "Vertikal") oder "Farbe" und "Schwarz-Weiss". Oder Stichworte die den Inhalt klassifizieren wie "Herr Müller" oder "Meine Schwester" oder "Cockerspaniel".

Wenn man seine Bilder mit solchen Stichworten versieht, dann hat das den folgenden Sinn/Vorteil: Man kann nach Bildern mit gleichartigem Inhalt suchen ("alle Bilder im Querformat" oder "alle Bilder mit Tante Trude"). Dabei spielt es keine Rolle in welchem Verzeichnis auf der Festplatte liegen.

Stichworte können in vielen Programmen (so auch in LR) hierarchisch verwaltet werden um eine leichtere Auswahl aus bereits vorhandenen Stichworten zu ermöglichen oder um die Suche nach Bildern anhand der vergebenen Stichworte zu vereinfachen. Man muss also nicht raten welche Stichworte man bereits verwendet hat sondern kann das Stichwort nach dem man suchen möchte bequem aus einer geordneten Struktur auswählen. So könnte sich z.B. eine Stichwort-Struktur der folgenden Art ergeben:

Formal
- Ausrichtung
- - Horizontal
- - Vertikal
- Format
- - Quadrat
- - Panorama
- Darstellung
- - Farbe
- - Schwarz-Weiss
Mensch
- Familie
- - Schwester
- - Vater
- - Mutter
- Freunde
- - Peter Müller
- - Katja Meier
- Kollegen
- - Herr Schulze
- - Frau Kleinbier
Tier
- Hund
- - Cockerspaniel
- Katze
Ort
- Deutschland
- - Hamburg
- - - Hafen
- - - Innenstadt
- - München
- - Berlin
usw.


Speicherung der Daten - Datenbank
Für all die neu zu unseren Bildern erfassten Informationen muss ein "Topf" her, in dem diese Daten strukturiert abgelegt werden können. Ob dieser Topf nun "Datenbank" oder "Konfigurationsdatei" heisst, das ist dabei eigentlich eher nebensächlich. Aber irgendwo müssen diese Informationen hin.


Stichworte:
Natürlich kann man z.B. die Stichworte direkt in die Bilddateien schreiben. Da gehören sie letztendlich ja auch hin - in das speziell dafür vorgesehene IPTC-Feld.

Aber woher bekomme ich eine Übersicht aller meiner bereits vergebenen Stichworte in meinem Programm um z. B. ein Stichwort auszuwählen nach dem ich suchen möchte? Weiss ich in 5 Jahren noch, ob ich schon einmal das Stichwort "Hirsch" vergeben habe? Ich kann es natürlich als Suchbegriff "blind" eingeben und dann sehr lange warten bis das Programm sämtliche Bilddateien auf der Festplatte einzeln geöffnet und die Stichworte daraus gelesen hat.

Und das kann bei größeren Bilder-Mengen dauern.

Ich kann aber genau so gut das Ergebnis "sofort" bekommen, wenn alle diese Informationen in einer Datenbank zentral vorliegen. Ansonsten warte ich etliche Minuten nur um dann zu erfahren, dass der Begriff "Hirsch" nie verwendet worden ist. Hätte ich aber eine Übersicht (aus der Datenbank), dann hätte ich im Bereich "Tiere" sofort gesehen, dass ich nach "Reh" oder "Rotwild" suchen muss um die entsprechenden Bilder zu finden.

Und selbst wenn ich weiss, dass ich Bilder mit "Tante Trude" habe, dann kann ich mir, dank der Datenbank und der damit verbundenen Geschwindigkeit einer zentralen Datenverwaltung, mit einem Klick alle Bilder der Tante anzeigen lassen. Denn in der DB steht wo sich diese Bilddateien auf der Festplatte befinden. Die Alternative wäre ein kompletter Suchlauf über alle Ordner, Durchlesen aller Dateien und deren Stichworte etc.


Virtuelle Ordnungskriterien:
"Virtuelle" Informationen die nicht in den einzelnen Bilddateien physisch hinterlegt sind (wie z.B. die oben angesprochenen "Alben" oder temporäre Markierung einzelner Bilder) müssen sogar in irgend einer Art von "Datenbank" (oder "Zusatzdatei", "Konfigurationsdatei", ...) abgelegt werden. Wo sollen sie sonst auch hin damit unser Programm sie nach Beendigung nicht einfach vergisst?


Veränderungen an den Bildern
Natürlich kann ich meine Bilder einmalig verändern und direkt das Ergebnis als aktualisierte Bilddatei speichern. Aber was ist, wenn ich eine Datei "versaue" oder ein Jahr später feststelle, dass ich das heute alles ganz anders machen würde/möchte? Dann kann ich ggf. die Änderungen nicht einfach so "zurücknehmen". Aus diesem Grund haben viele Fotografen für sich entschieden, dass sie das Originalbild (so wie es aufgenommen wurde) als "Negativ" behandeln. Sprich: Das Orginalbild wird niemals verändert, damit ich notfalls ohne Qualitätsverlust zum "unversauten" Originalzustand zurück kann.

Das führt natürlich dazu, dass ich jedes Bild physikalisch (mindestens) zweinmal auf der Festplatte habe. Bei mehreren alternativen Bearbeitungen ("Versionen") sogar zu deutlich mehr Kopien pro Bild auf der Festplatte.

Und bei einigen Bildformaten (wie z.B. JPG) führt sogar jedes erneute Abspeichern des Bildes zu einem (unvermeidbaren) Qualitätsverlust. Das mag bei einmaliger Bearbeitung noch nicht in's Gewicht fallen. Aber nachdem man das Bild zehnmal mit der Bildverarbeitung geöffnet und erneut gespeichert hat wird es irgendwann sichtbar.

Habe ich dagegen meine Bearbeitung nur "virtuell" in einer Datenbank (oder "Konfigurationsdatei", "Sidecar-Datei" oder wie auch immer) gespeichert, dann habe ich das (große) Bild nur einmal und die Veränderungen (selbst wenn es mehrere parallel vorhandene Versionen gibt) nur in Form einer (viel kleineren) Beschreibung der Änderungen gespeichert. Manche Programme nennen so etwas auch "Rezept".

Ein anderes Problem: Ich möchte das Bild mit einer bestimmten Bearbeitung für viele verschiedene Zwecke einsetzen. Z.B. einmal als verkleinerte Version (meinetwegen auch mit Schriftzug im Bild) für meine Website oder eine Ebay-Auktion. Ein anderes Mal als Bild in höchster Qualität als Produktfoto für eine Photo-Agentur oder um es in Postergröße auszubelichten und an die Wand zu hängen.

Schon habe ich wieder mehrere Versionen auf der Festplatte. Und wenn ich das Original einmal (aus Versehen) mit der Version mit Schriftzug quer über das Bild überschreibe, dann war es das mit dem Poster für die Wand.

Mit einer nur "virtuell" (als Rezept neben dem eigentlichen Bild) gespeicherten Bearbeitung kann mir das nicht passieren. Da kann ich das Bild immer für genau den benötigten Zweck erzeugen lassen.

- einmal als verkleinerte Version mit Wasserzeichen für die Website
- einmal in maximaler Qualität für den Posterdruck
- ...

Und nachdem ich das ausgegebene (exportierte) Bild für den Zweck verwendet habe kann ich die Kopie einfach wieder löschen. Denn ich kann das Bild jederzeit aus Originalbild+Rezept wieder erzeugen lassen.



Ich hoffe, dass diese Punkte das Verständnis für den Umgang mit Programmen wie z.B. Lightroom, Bibble Pro oder Aperture verbessern oder zumindest als Denkanstoss dienen.

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